Männer in Deutschland leben im Schnitt etwa fünf Jahre kürzer als Frauen.
Einiges lässt sich auf die Biologie zurück führen, aber auch ihr Verhalten, Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie der Umgang mit Krankheit und psychischer Belastung spielen eine große Rolle.
Die Muster wurden in Studien gut belegt: Männer rauchen und trinken im Durchschnitt mehr, gehen häufiger gesundheitliche Risiken ein und sterben häufiger an Unfällen und Suizid. Vorsorgeangebote nutzen sie seltener und psychotherapeutische Hilfe suchen sie später oder gar nicht.
Das bedeutet nicht, dass Männer weniger belastet sind. Es heißt, dass Belastung bei ihnen oft später oder anders sichtbar wird. Bei Depressionen zum Beispiel vermuten Fachleute eine Unterdiagnose, weil sie sich bei Männern häufiger als Reizbarkeit, Aggressivität, Rückzug oder Substanzkonsum zeigen als als Traurigkeit.
Geschlechterrollen schaden Frauen und Männern
Feministische Bewegungen haben traditionelle Geschlechterrollen vor allem deshalb infrage gestellt, weil sie Frauen über Jahrhunderte benachteiligt haben – und es bis heute tun. Sie begrenzten ihre Selbstbestimmung, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und ihren gesellschaftlichen Einfluss und überließen ihnen einen überproportionalen Anteil unbezahlter Sorgearbeit, geringeren Karrierechancen und Gewalt.
Diese Machtverhältnisse verschwinden nicht dadurch, dass auch Männer unter bestimmten Vorstellungen von Männlichkeit leiden. Männer haben von patriarchalen Strukturen historisch profitiert und tun es weitestgehend noch heute.
Und trotzdem lohnt sich ein Blick auf den Preis, den auch Männer für diese Ordnung zahlen.
Wie Rollenbilder zu Risikofaktoren werden
Wer gelernt hat, Probleme allein zu lösen, sucht später Hilfe. Wer Angst als unpassend für sein Selbstbild erlebt, spricht nicht darüber. Wer seinen Wert über Leistung definiert, nimmt Erschöpfung als persönliches Versagen wahr, nicht als Signal.
Das sind keine Charakterschwächen. Es sind erlernte Muster, die lange Zeit belohnt wurden: mit Anerkennung, Status, Sicherheit. Deshalb lassen sie sich auch nicht einfach ablegen.
Bei der geringeren Lebenserwartung von Männern wird dieser Preis besonders sichtbar.
Feministische Bewegungen haben den Möglichkeitsraum von Frauen erweitert, indem sie infrage gestellt haben, was eine Frau sein und wie sie leben soll.
Die spannende Frage für Männergesundheit ist deshalb: Welche Freiheiten könnten Männer gewinnen, wenn wir traditionelle Vorstellungen davon, wie ein Mann sein muss, genauso konsequent hinterfragen?
Warum Männergesundheit ein eigenes Thema ist
Männer erreichen Hilfsangebote oft nicht, weil diese nicht auf ihre Zugangsbarrieren zugeschnitten sind: zu spät, zu förmlich, zu sehr auf das Sprechen über Gefühle ausgerichtet.
Und es gibt einen Zusammenhang, der über Männer hinausgeht. Ein Mann, der früh Hilfe annimmt, belastet sein Umfeld weniger mit unbehandelten Krisen. Ein Vater, der über Überforderung sprechen kann, gibt Kindern ein anderes Modell mit. Männergesundheit ist insofern kein Gegenprojekt zur Gleichberechtigung, sondern ein Teil davon: Rollenbilder, die für Männer loser werden, lassen auch für Frauen mehr Spielraum.
ZUM WEITERDENKEN
Der Körper speichert Erfahrungen.
„Manchmal steckt hinter einer scheinbaren Überreaktion eine Geschichte, die unser Körper noch nicht vergessen hat.“
„Manchmal steckt hinter einer scheinbaren Überreaktion eine Geschichte, die unser Körper noch nicht vergessen hat.“
Interessante Studie:
Unter Nonnen und Mönchen, deren Lebensbedingungen sich stärker ähneln als die von Frauen und Männern in der Allgemeinbevölkerung, beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung nur etwa ein Jahr.
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