Verstehen

Das zentrale Nervensystem

Was alles miteinander verbindet


Gefühle allein sind keine Erklärung

Gefühle entstehen nicht plötzlich und auch nicht allein durch unsere Gedanken. Sie sind das Ergebnis eines unbewussten Prozesses, bei dem unser Nervensystem Informationen aus Körper, Wahrnehmung, Erfahrungen und Gedanken verarbeitet.

Nehmen wir an, jemand macht eine beiläufige Bemerkung. Oder du hörst plötzlich ein lautes Geräusch. Vielleicht erinnert dich auch ein bestimmter Geruch an etwas Vergangenes.

Bevor du überhaupt bewusst bemerkst, dass ein Gefühl entsteht, hat dein Nervensystem bereits begonnen, diese Situation einzuordnen. Dabei verarbeitet es gleichzeitig,
  • was du gerade wahrnimmst,
  • welche Signale dein Körper aussendet,
  • welche ähnlichen Erfahrungen du bereits gemacht hast und
  • welche Gedanken oder Erwartungen bereits vorhanden sind.

Aus all diesen Informationen entsteht nach und nach dein bewusstes Gefühl. Doch damit ist der Prozess noch nicht abgeschlossen.

Das Gefühl selbst ist erst der Anfang.
Dein Gefühl sagt zunächst nur, dass etwas für dein Nervensystem bedeutsam ist. Es erklärt aber noch nicht, warum genau du dieses Gefühl hast oder was es für dich bedeutet.
Sobald ein Gefühl bewusst wird, versucht dein Gehirn sofort zu verstehen, was es bedeutet.
Und die Bedeutung, die dein Gehirn einem Gefühl gibt, entsteht nicht zufällig. Sie wird geprägt durch deine bisherigen Erfahrungen, deine Überzeugungen, dein Selbstbild und die Geschichte, die du dir über dich selbst erzählst, dein „Narrativ“.

All diese Faktoren: an welchem Lebenspunkt du stehst, in welchem Gesundheitszustand sich dein Körper befindet, vor welchen Herausforderungen du gerade im Leben stehst, welche sichere Bindungen du in deinem Leben hattest oder hast, welche Erfahrungen du in deinem Leben schon gesammelt hast, wie du bisher gelernt hast mit deinen Gefühlen umzugehen oder in welcher Kultur du lebst, haben einen Einfluss, welche Gefühle in dir entstehen.


Wenn du lernst, deine Gefühle besser zu verstehen, verändert sich oft auch dein weiteres Erleben.

Aus Eifersucht kann die Erkenntnis werden, dass du dir selbst mehr zutrauen oder etwas im eigenen Leben verändern möchtest. Hinter einem Schokoladen-Essanfall steckt manchmal weniger Hunger als der Versuch, einen anderen Schmerz nicht spüren zu müssen. Und hinter ständiger Unzufriedenheit verbirgt sich vielleicht der Wunsch nach Erholung oder Veränderung.



Genau deshalb lohnt es sich, Gefühle nicht nur zu erleben, sondern auch deren Bedeutung zu hinterfragen.


ZUM WEITERDENKEN
Der Körper speichert Erfahrungen.
„Manchmal steckt hinter einer scheinbaren Überreaktion eine Geschichte, die unser Körper noch nicht vergessen hat.“
WICHTIG:
Es geht nicht darum, seine Gefühlswelt infrage stellen, sondern ihre Bedeutung zu verstehen.
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